Die Corona-Pandemie beschäftigt uns noch immer täglich. Wir haben uns mit einigen Burgebracher Unternehmerinnen und Unternehmern unterhalten, um zu erfahren, wie sie die Situation erleben. Heute im Interview: Peter Röckelein, Vorstandsvorsitzender der Raiffaisenbank Burgebrach-Stegaurach eG.

Peter Röckelein, Vorstandsvorsitzender der
Raiffaisenbank Burgebrach-Stegaurach eG.

Wie hast du die Nachricht über die Corona bedingten Einschränkungen aufgenommen und wie hast du die letzten Wochen und Monate erlebt?

Man muss schon sagen, dass die ganze Situation sehr skurril ist. Niemand von uns hat bisher wirklich einen Shutdown der deutschen Industrie oder Kontaktverbote und eine Ausgangssperre miterlebt. In der Kürze der Zeit war und ist es natürlich sehr herausfordernd sich an alle Hygienemaßnahmen und ein verändertes Kundenverhalten anzupassen. Speziell im Bereich der Firmenkunden haben wir eine große Unsicherheit gemerkt. Die fast täglich neuen Informationen haben zu einem erhöhten Beratungsaufwand geführt, da natürlich alle Gewerbetreibenden immer up to date sein wollen. Gerade bei den Themen Liquidität und Tilgungsaussetzung konnten wir allerdings immer individuelle Lösungen finden.


Welche Maßnahmen habt ihr in der Raiffeisenbank getroffen?

Die Gesundheit der Mitarbeiter und natürlich auch der Kunden stand für uns immer an erster Stelle, weshalb wir auch sofort mit den üblichen Hygienemaßnahmen reagiert haben. Die Umsetzung ist uns recht leichtgefallen, jedoch ist es natürlich für jeden Mitarbeiter mit Kundenkontakt eine Umstellung mit Maske zu arbeiten. Zum Glück haben wir bis heute keinen Corona-Fall in unseren Filialen, allerdings mussten einige Mitarbeiter nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet für ein paar Tage in Quarantäne.

Generell hat die Separierung unserer Belegschaft auf Einzelzimmer und Homeoffice, sowie die Anpassung der Arbeitsabläufe schon eine Herausforderung für uns dargestellt. Hier an dieser Stelle großen Dank an alle Mitarbeiter, welche sich in dieser Zeit verständnisvoll gezeigt haben und sehr initiativ gearbeitet haben.


Ist es im Umgang mit Kunden mal zu Auseinandersetzungen gekommen oder haben sich alle an die Regeln gehalten?

Im Großen und Ganzen ist natürlich das Verständnis unserer Kunden da, weil wir ja alle von der Situation betroffen sind. Natürlich ist es für Kunden ärgerlich, wenn sie die Bank nicht betreten dürfen, weil sie die Maske zuhause vergessen haben. Hier konnten wir natürlich keine Ausnahmen machen.


Hat euch die Krise auch finanziell so stark getroffen wie andere Branchen oder konntet ihr durch die erhöhte Attraktivität der Börse mehr Umsätze generieren?

Ich muss sagen ganz unterschiedlich. Unser Reisebüro, welches allerdings nicht unser Hauptgeschäftsfeld ist, musste natürlich wie die komplette Reisebranche starke Einbußen hinnehmen. Auch die Aufwendungen für Organisation und die Hygienemaßnahmen haben uns natürlich getroffen. Mehr Umsätze merken wir tatsächlich. Wie du richtig gesagt hast, haben viele Privatanleger in der Corona-Krise letztendlich auch eine Chance gesehen, um in den Finanzmarkt und die Börse einzusteigen. In beratender Funktion stehen wir hier natürlich sowohl Privat- als auch Firmenkunden bei ihren individuellen Problemen und Wünschen immer zur Verfügung.


Erwartest du dann eher noch Spätfolgen?

Aktuell sind die Auswirkungen für uns noch überschaubar. Eine Prognose für die Zukunft ist allerdings ganz schwierig. Im Landkreis sind wir natürlich mit unseren großen Firmen wie Bosch, Brose etc. sehr von der Entwicklung in der Automobilbranche abhängig. Wenn dort die Kurzarbeit oder der Stellenabbau fortschreitet, kann das natürlich zu großen Herausforderungen für unsere Kunden führen. Trotzdem denken wir, dass wir für die Zukunft und auch eine mögliche zweite Welle gut aufgestellt sind.


Gibt es spürbare Auswirkungen auf die Benutzung eurer VR Banking App und anderen kontaktlosen Bezahlmöglichkeiten wie Apple Pay?

Die Vorteile von kontaktlosem Bezahlen liegen, gerade jetzt während einer solchen Pandemie, natürlich auf der Hand. Viele Kunden bevorzugen jetzt das Bezahlen mit dem Handy, über Onlinebanking und der Kreditkarte, weshalb wir einen signifikanten Zuwachs bei der Benutzung registriert haben. Bei der jüngeren Generation ist das ja mittlerweile schon zum Standard geworden aber gerade auch viele ältere Kunden haben in den letzten Wochen den Zugang zum digitalen Bezahlen gefunden.


Hat die Corona Krise vielleicht trotzdem noch etwas Gutes für dich?

Positiv ist natürlich einerseits, dass die Digitalisierung nochmals einen „Schub“ bekommen hat, z.B. viele Schulungen und Seminare nun in Web-Konferenzen stattfinden können, was den Geschäftsbetrieb erleichtert und die Effizienz steigert. Andererseits hat sich mein Privatleben durch die viele Zeit zu Hause deutlich entschleunigt. Ich habe mehr Zeit für die Familie und man kommuniziert vermehrt Dinge, die sonst eigentlich zu kurz kommen.